Wegekreuze in der Eifel

Raubritter und Wegekreuze

Wir schreiben das Jahr 1095. Papst Urban II. hat zum Konzil von Clermont aufgerufen, um mit Hilfe der Mönche von Cluny die Kirche an Haupt und Gliedern zu erneuern, bevor er die gesamte christliche Welt aufruft, gegen Türken und Sarazenen zu kämpfen, die das Heilige Land besetzt haben. Der erste Kreuzzug, der von 1096 - 1099 dauerte, steht kurz bevor.

Bevor aber ein riesiges Heer von Rittern, Edelleuten, Mönchen, Bischöfen und gewöhnlichem Volk zu den heiligen Stätten aufbricht, muss es den Predigern und dem Papst gelingen, auf dem Konzil den inneren Frieden im Abendlande herzustellen. Zu dieser Zeit bedeuteten die Raubritter eine große Plage. Auch aus der Geschichte der Schönecker Burg wissen wir, dass die Ritter der Burg "Bella Costa" des Öfteren Ausflüge veranstalteten um Kaufleute zu überfallen und sie ihrer Habe zu berauben. Der Geschichtsschreiber Bertram de Born berichtet von den Raubrittern jener Zeit: "...daß sie keinen Gefallen am Frieden fanden. Diese Erpresser von Lösegeld, diese Mörder, diese sich immer am Rande des Kirchenbanns bewegenden Kampfhähne, diese brutalen Vergewaltiger und Wegelagerer! Sie vertreiben sich die Zeit mit Feuer und Blut, mit zermalmenden Keulenschlägen. Mit dem Gottesfrieden erstickt man sie, erstickt ihre Vitalität, ihre Art zu sein."

Daher wird der Gottesfrieden auf dem Konzil von Clermont nochmals feierlich bestätigt. Ab sofort ist jeder Christ ab dem 12. Lebensjahr dem Gottesfrieden unterworfen. Das Konzil verbietet jedem unter Strafe des Kirchenbanns: "sich an Mönchen, Klerikern, Pilgern, Händlern, an Dienstboten, Ochsen, Arbeitspferden und Landleuten, an Schäfern und ihren Herden zu vergreifen. Die Immunität, die alle grundsätzlich genießen, wenn sie eine Kirche oder den Vorplatz einer Kirche erreichen, wird nun auch auf die Wegekreuze ausgedehnt."

Wer sich nun nur an eines der Wegekreuze klammert, der steht unter dem Schutze des Kreuzes. Und wer von uns denkt heute noch daran, wenn er manchmal achtlos an einem Wegekreuz vorbeigeht, welche Macht und welcher Schutz früher einmal von Wegekreuzen ausging?

H. Konen